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    Prediger: Pfr. M. Wanner
 

  Auslegung zu Jes. 52,7-10 vom 21.12.2013
  Jes. 52,7-10:
7 Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!
8 Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt.
9 Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst.
10 Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
 

  „Dein Gott ist König“ (4. Advent)
  Liebe Gemeinde!

Jerusalem liegt in Schutt und Asche. Nach der Belagerung Jerusalems durch König Nebukadnezar im Jahr 586 vor Christus war von der Stadt und ihrem Tempel nicht mehr viel übrig geblieben. Der größte Teil der Bevölkerung war nach Babylonien umgesiedelt worden. Die Übriggebliebenen hatten versucht, es sich in der Trümmerlandschaft so gut wie möglich einzurichten.

Der größte Schock für alle Juden war damals die Zerstörung des Tempels. Wie konnte Gott das zulassen, dass die Feinde sein Haus zerstörten und sein Heiligtum mit Füßen traten? Wo war der Gott Israels geblieben? Lebte er denn überhaupt noch? Das waren die Fragen, die sich die Menschen damals stellten.

Martin Luther wurde an diese Zeit erinnert und hat sie mit der Lage der Kirche zu seiner Zeit verglichen. Er schrieb im Jahr 1520 das Buch: „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“. Die Kirche ist am Boden zerstört. Leute, die Gott nicht kennen, haben darin das Sagen. Gottes Macht und Gottes Handeln ist in der Kirche nicht mehr erkennbar.

Und wie ist es heute? Leben wir in Deutschland nicht auch in einer geistlichen Trümmerlandschaft? Sind nicht die Gottesfurcht und das Gottvertrauen aus unserem Volk fast ganz verschwunden? Und wir selbst? Liegt unser Glaube auch am Boden? Ist Gott in unserem Leben noch lebendig? Wann haben Sie zum Beispiel das letzte Mal geistliche Erfahrungen mit Jesus gemacht?

Aber auf einmal ändert sich alles. Die Wächter auf den Steinhäufen, die kaum noch als Stadtmauer zu erkennen sind, sehen in der Ferne Boten auf die Stadt zukommen. Schon von weitem wird sichtbar, dass sie eine gute Botschaft bringen. Sei springen, ja sie tanzen und sie jubeln vor Freude. Sie rufen: „Dein Gott ist König! Dein Gott ist König!“ So als wäre Gott wieder neu inthronisiert und zum König über die ganze Welt eingesetzt worden. Und hinter den Vorboten kommen viele Menschen. Es sind Hunderte, nein Tausende, ein langer Zug von Menschen mit Wagen und Karren, Hab und Gut, ohne Ende. Die Juden kommen zurück. Ihre Gefangenschaft hat ein Ende.

So sieht es der Prophet schon lange bevor das alles geschieht. Er kündigt es an. Die unter den Trümmern und die in der Gefangenschaft leben, hören seine Botschaft: „Dein Gott ist König!“

Es ist Advent! Advent heißt Ankunft! Jesus, der König will wieder bei uns ankommen. Wir sollen es hören und glauben: „Dein Gott ist König.“ Es gelten neue Machtverhältnisse. Jetzt hat ein anderer das Sagen. Es gibt Hoffnung. Eine neue Politik setzt sich durch. Das ist eine gute Botschaft, eine Nachricht voller Frieden und Heil. „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!“

Die Vision des Propheten Jesaja erfüllte sich zunächst im Jahr 538. Der Perserkönig Kyros erlaubte den Juden, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Aber mehr als 500 Jahre später kam es zu einer noch viel weitreichenderen Erfüllung, als der Jesus, der König geboren wurde.

„Dein Gott ist König!“ Die Freudenboten bringen diese Botschaft. Ich selbst möchte gerne einer dieser Freudenboten sein. Und diese Botschaft wird jetzt aufgenommen und weitergegeben. Die Freude breitet sich aus.

Es ist wie bei einer Laola Welle im Stadion. Die gute Nachricht wird weitergegeben. Die Wächter Jerusalems, die Menschen in den Trümmern Jerusalems und am Ende alle Welt nehmen diese Botschaft auf: „Dein Gott ist König.“

1. Die Wächter Jerusalems greifen die gute Nachricht auf

„Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt.“

Ich sehe sie, die Wächter. Vor der Stadt Jerusalem, auf den Feldern von Bethlehem wachen sie Tag und Nacht über ihre Schafe. Mitten in der Nacht sehen sie die Freudenboten. Engel erscheinen ihnen in einem hellen Lichtglanz und bringen ihnen die gute Nachricht: „Euer Gott ist König.“ „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids.“ Die Hirten nehmen die gute Nachricht auf. Sie gehen nach Bethlehem. Sie finden den neugeborenen König und sagen die gute Nachricht überall weiter.

Eine gute Nachricht löst große Freude aus. Etwa die Nachricht des Mädchens auf „Whatsapp“ auf seine vorsichtige Anfrage hin: „Ja, ich habe Dich auch lieb. Auch ich möchte gerne mit Dir gehen. Wann können wir uns treffen.“
Oder der Brief der Prüfungskommission, die ein gutes Ergebnis und das Bestehen der Prüfung mitteilt. Oder das Gespräch des Arztes, der die gelungene Operation mitteilt und das Ergebnis, dass der entfernte Tumor verkapselt war und nicht gestreut hat.

Solche Wächter brauchen wir, die wachsam sind und hinsehen wo sie Zeichen finden, die deutlich machen: „Dein Gott ist König.“ „Er lebt, er regiert. Er ist da. Siehst du es denn nicht?“

Im hebräischen Text ist hier eigentlich von einem Kundschafter, von einem Spion die Rede. Dieser Begriff zeigt noch mehr das intensive Suchen nach Informationen und noch verborgenen Tatsachen. Sei ein Wächter, sei ein Spion, der dem König und dem, was er tut, auf die Spuren kommen will. Und wenn du etwas gesehen hast, dann behalte es nicht für dich, sondern sage es weiter. Hier im Gottesdienst, in deiner Nachbarschaft, bei allen Menschen, zu denen du Kontakt hast. Sage es besonders denen, die es wissen müssen, die diese Botschaft ganz dringend brauchen.

Der Theologe Hellmuth Frey erlebte es, dass der Briefträger, der ihm die Post brachte, regelmäßig noch eine Weile da blieb, um mit ihm für die Menschen in der Straße zu beten, in der der Professor lebte. Beide beteten besonders für einen Arzt in der Nachbarschaft. Eines Tages kommt der Briefträger, bringt die Post und läuft Hellmuth Frey freudestrahlend entgegen: „Professorchen, wir haben ihn!“ Er hatte entdeckt, dass sich der Arzt immer mehr für den Glauben an Jesus öffnete.

Beides gehört zusammen: Das gespannte Warten darauf bis Gott etwas tut und die aktive Unterstützung von dem, was Gott tut.

Die Nachricht der Wächter: „Dein Gott ist König!“ führte damals dazu, dass der Tempel in Jerusalem wieder aufgebaut wurde. Serubbabel und Jeschua ergreifen Initiative. Sie beginnen damit, den Tempel wieder aufzubauen. Es gibt viele Widerstände, aber sie halten durch, denn sie sehen und spüren, dass Gott König ist. Im Buch Esra wird dieses Entdeckung so beschrieben: „Das Auge ihres Gottes war über den Ältesten der Juden.

Wo sind die Leute in unserer Gemeinde, die Initiative ergreifen, weil sie sehen: „Dein Gott ist König.“

Die Wächter Jerusalems greifen die gute Nachricht auf.

2. Die gute Nachricht Botschaft kommt zu den Trümmern Jerusalems

„Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst.“

Es war ein trostloser Anblick, das Jerusalem zu sehen, das in Trümmern lag. Viele Städte, die damals von den Babyloniern zerstört worden waren, sind bis heute Trümmerberge. War aus den Ruinen und Trümmern Jerusalems denn überhaupt noch etwas zu machen?

Nach dem zweiten Weltkrieg waren die großen Städte Deutschland auch so eine Trümmerwüste. Aber meistens ragten die Kirchtürme noch in den Himmel. Denken Sie etwa an die Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche in Berlin, deren halbzerstörter Kirchturm zum Wahrzeichen geworden ist. Wie ein ausgestreckter Zeigefinger deuteten diese Kirchtürme in der Trümmerlandschaft an: „Dein Gott ist König.“ Er ist auch jetzt noch da. Seine Nachricht erreicht auch noch die, die unter den Trümmern wohnen.

Viele haben gut geplant und überlegt. Sie haben sich ihre Leben nach ihren eigenen Entwürfen aufgebaut. Zunächst ging alles gut. Aber durch irgendein Ereignis in ihrem Leben stürzte alles zusammen. Jetzt stehen sie vor einem einzigen Trümmerhaufen. Sie fragen sich: Ist jetzt alles aus? Muss jetzt alles vollends kaputt gehen?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Da wo in meinem Leben Trümmer sind, kann Neues entstehen. Die gute Nachricht erreicht die, die unter den Trümmern sitzen: „Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems.“

Wenn etwas zu Bruch geht, kann der Gott neu aufbauen. Er kann Trümmer und zertrümmerte Menschen gebrauchen und sie als lebendige Steine in seine Gemeinde einbauen.

Am Ende, im Gericht Gottes wird einmal das Lebensgebäude eines jeden Menschen geprüft. Alles fällt ein was nicht fest gegründet ist.

Nur das, was auf das richtige Fundament, auf den Glauben an Jesus Christus gebaut wurde, bleibt dann stehen. Wenn das so ist, dann es doch besser, wenn jetzt schon alles zerstört wird, was nicht auf dieses Fundament gebaut wurde. Sieh den Zerbruch in deinem Leben einmal aus dieser Perspektive an.

Vergangenes Jahr erschien das Buch von Johannes Kneifel:
„Vom Saulus zum Paulus, Skinhead, Gewalttäter, Pastor - meine drei Leben.“ Am 9. August 1999 betrank sich der damals 17-Jährige mit einem Kumpel auf einem Spielplatz in Eschede. Dann marschierten die beiden Neonazis zur Sozialwohnung von Peter Deutschmann. Der 44-Jährige wurde im Ort "Hippie" genannt, er hatte Kneifels Freund wegen dessen rechter Gesinnung kritisiert. Dafür wollten sie ihm einen Denkzettel verpassen. Sie traten die Tür ein und schlugen zu. An den Folgen der schweren Verletzungen verstarb Deutschmann. Johannes Kneifel wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu fünf Jahren Jugendhaft verurteilt.
Im Gefängnis wandelte sich Kneifel vom Neonazi zum Christen. Christen, die zu Besuch kamen, beeindruckten ihn mit ihrer Nächstenliebe - weil sie selbst ihm offen begegneten, dem Totschläger. Er musste erst lernen, Emotionen zuzulassen. "Ich kannte kein Mitgefühl", sagt er heute. In seiner aussichtslosen Lage wandte sich Kneifel an Gott. "Jetzt erst kann ich mir selbst und vor Gott alles eingestehen, was ich getan habe. Und erst indem ich das tue, kann ich wirkliche Reue empfinden. Ich spüre, wie schuldig ich geworden bin und wie sehr diese Schuld auf mir lastet.

Aber ich weiß auch, dass er mir vergibt.“ Seine Einstellung hat Keifel radikal geändert. Er spricht heute auf Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus. Seit neun Jahren ist Kneifel auf freiem Fuß. Er studiert Theologie und möchte Pastor werden. So kann es aussehen, wenn Gott auf den Trümmern eines Lebens neu aufbaut.

Aber auch in der Gemeinde gibt es Trümmer. Alles muss zerbrechen, was nicht echt ist. In manchen Gruppen und Kreisen der Gemeinde entstehen Trümmer, da böckelt es ab, da kommt es zur Erosion, das ist kein Leben mehr. Aber wenn die Nachricht, dass der Herr König ist, diese Gruppen erreicht, erreicht, dann entsteht Neues, dann wird auf einmal wieder aufgebaut.

Mit Trümmersteinen hat Gott Großes vor. Aus Trümmern baut Gott das neue Jerusalem. In der Offenbarung wird diese himmlische Stadt beschrieben. Die Mauern sind aus Edelsteinen. Edelsteine sind Trümmersteine. Sie entstanden unter großem Druck.

Nach dem letzten Krieg, gab es überall die sogenannten Trümmerfrauen. Diese Frauen suchten die zerbrochenen und verkohlten Steine zusammen, klopften sie zurecht und machten sie zum Baumaterial des Wiederaufbaus.

Könnte das nicht deine Berufung sein? Als Trümmerfrau oder Trümmermann zu denen zu gehen, die zwischen den Trümmern sitzen, um dort Gutes zu predigen, Heil zu verkündigen und zu den Menschen zu sagen: „Dein Gott ist König!“ Und dann gemeinsam das zerbrochene Baumaterial zum Baumeister Jesus zu bringen und sagen: „Bau du das wieder auf!“

Aus Sündern und Versagern baut Gott sich seine Gemeinde. Aus Bekümmerten bildet er sich seinen himmlischen Chor. Durch Zerbruch hindurch macht er aus Trümmersteinen die Bausteine der Zukunft. In Psalm 34 steht: „Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben“ (Ps. 34,19).

Die Wächter Jerusalems greifen die gute Nachricht auf
Die gute Nachricht Botschaft kommt zu den Trümmern Jerusalems

3. Die gute Nachricht kommt zu den Völkern

„Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.“

Nicht nur einzelne Fromme, alle Welt soll die frohe Botschaft hören und sehen, dass Gott König ist. Schon bei der Geburt des Königs fing es an. Da waren Astrologen im fernen Babylonien. Auf Grund einer neu entdeckten Planetenkonstellation reisten sie von weit her, um dem König zu dienen. Sie, die Vertreter der Macht die einst Jerusalem in Trümmer legte, beugen ihre Knie vor dem neugeborenen König der Juden und Retter der Welt.

Dann die Erhöhung zum König. Vor den Mauern der Stadt wurde Jesus erhöht. Sein Königsthron war ein Kreuz. Weil er auf diesem Weg die Schuldfrage löste, konnte er Menschen wieder mit Gott versöhnen. Das Urteil das auf einem Schild über dem Kreuz steht, ist dreisprachig. Alle sind vertreten: Juden, Römer, Griechen.

Der Tag der Wiederkunft von Jesus Christus kommt, an dem er das Ziel seiner Königsherrschaft erreichen wird. Der große König wird sein Königreich aufrichten und die Völker werden zu ihm pilgern. Voller Begierde, etwas von ihm zu erfahren.

Einen Vorgeschmack auf diese Zeit hin gab es bei den Kongressen der Lausanner Bewegung, zuletzt im Jahr 2010 in Kapstadt. Dort waren 4000 Leiter aus 200 Nationen versammelt, um zu überlegen, wie das Evangelium noch effektiver in die Welt gebracht werden kann.

Die Wächter Jerusalems greifen die gute Nachricht auf
Die gute Nachricht Botschaft kommt zu den Trümmern Jerusalems.
Die gute Nachricht kommt zu den Völkern.


„Dein Gott ist König.“ Das wäre doch etwas, wenn Jesus Christus als der König wieder ganz neu bei dir ankommen könnte. Ich meine: Jesus Christus als der König! Nicht nur als Randfigur oder religiöse Verzierung. Da würde sich etwas ändern. Da würde Frieden entstehen, Gutes und Heil.

Willst du warten und suchen wie ein Spion, bis du Gott auf der Spur bist? Willst du von ihm erwarten, dass er aus den Trümmern deines Lebens etwas machen kann? Willst du hingehen wie eine Trümmerfrau oder ein Trümmermann und denen, die unter den Trümmern sitzen sagen, wo du die Spuren des Königs entdeckt hast? „Dein Gott ist König.“ Amen
 

  Author: Wanner, Michael eingegeben am: 03.01.2014 10:35 Uhr
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