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    Prediger: Pfr. M. Wanner
 

  Auslegung zu Lk. 2,1-20 vom 24.12.2013
  2 1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.
2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.
3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.
4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war,
5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe;B die war schwanger.
6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.
7 Und asie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
13 Und alsbald war da bei dem Engel adie Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
14 Ehre sei Gott in der Höhe und bFriede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.
17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.
18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.
19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
 

  Die große Koalition (Heiligabend)
  Liebe Gemeinde!

Die Große Koalition steht. Drei Monate nach der Bundestagswahl wurde die Große Koalition erst kurz vor Weihnachten am 17. Dezember besiegelt. Letzte Woche wurden Angela Merkel als Bundeskanzlerin und die neue Regierung im Parlament vereidigt. „Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe.“

Am Tag zuvor wurde in einem feierlichen Akt vor 700 Gästen mit neun Unterschriften der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD am Mittag offiziell in Kraft gesetzt. Er trägt den Titel: "Deutschlands Zukunft gestalten". Die Bundeskanzlerin betonte in ihrer Ansprache: "Was diese Verhandlungen für mich ausgezeichnet hat ist, dass wir uns sogar zugehört haben. Das ist in der Politik nicht selbstverständlich." „Ein Prost auf die kommenden vier Jahre!“

Eine Große Koalition ist nichts Neues. Vor 2000 Jahren wurde schon einmal eine Große Koalition vereinbart. Nicht in Berlin, sondern in Bethlehem ließen sich zwei Partner auf eine Große Koalition ein.

In vielem unterscheidet sich die Koalition von Bethlehem allerdings von allen anderen Koalitionen, die zwischen Parteien, Gruppen und Menschen geschlossen wurden. Vor allem: Die Koalition von Bethlehem dauerte nicht nur vier Jahre, sondern besteht noch heute. Jeder der will kann sich diesem herausragenden Regierungsbündnis anschließen.

Die Partner

Bei dem politischen Bündnis in unserem Land handelt es sich um eine Koalition zwischen zwei ebenbürtigen Partnern. In der Bundestagswahl gewann die Union 34,1 Prozent der Wählerstimmen und die SPD 25,7 Prozent.

Die Partner der Bethlehemkoalition dagegen befinden sich in zwei ganz unterschiedlichen Ausgangspositionen. Auf der einen Seite: Der große und starke Gott, der das ganze Universum erschaffen hat, dem nichts unmöglich ist, der unendlich reich ist und dem alles gehört. Auf der anderen Seite: Der Mensch in seiner ganzen Schwachheit, Vergänglichkeit, Ohnmacht, Sündhaftigkeit und Unvollkommenheit.

Mitten in der Nacht kommt es draußen auf den Feldern von Bethlehem zu einer ersten Begegnung der beiden Koalitionspartner. Es wird berichtet: „Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr“ (Lk. 2,9).

Auf der einen Seite: Ein helles Licht, heller als die Sonne, ein Licht, das die Nacht zum Tag macht, der Glanz des vollkommenen, strahlenden und heiligen Gottes. Das Licht von dem, … „der allein Unsterblichkeit hat, der in einem Licht wohnt, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann“ (1. Tim. 6,16).

Auf der anderen Seite: Die Hirten: Verachtete Außenseiter, dunkle Gestalten mit einer schwierigen Vergangenheit, unbedeutende Figuren, die in dieser Welt nichts bewegen können, Typen, für die sich die römischen Bürokraten bei der großen Volkszählung nicht einmal interessierten, weil sie sonst die geschönte Statistik verdorben hätten.

Auf diese Seite kann ich mich auch stellen. Da passe ich hin. Da finde auch ich meinen Platz. Und da findet jeder seinen Platz, auch der letzte Versager. Und selbst wenn ich mit meinem Leben etwas mehr aufweisen oder vorzeigen könnte als die Hirten von Bethlehem, was wäre das gegenüber dem anderen großen und starken und vollkommenen Partner, gegenüber Gott.

Zwei ungleiche Partner kommen miteinander in Verbindung. Über den Hirtenfeldern von Bethlehem geht der Himmel auf und der große Gott des Himmels begegnet den Menschen. Eine Große Koalition bahnt sich an. „Groß“ nicht deshalb, weil zwei große und starke Partner sich miteinander verbinden. „Groß“ vielmehr deshalb, weil der große und starke Gott mit uns eine Verbindung eingehen will.

Zwei Hände berühren sich. Die große, starke Hand Gottes und die kleine, schwache Hand des Menschen. Er streckt uns seine Hand entgegen und lässt uns durch den Propheten Jesaja ausrichten: „Ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir“ (Jes. 41,13)

Johann L. K. Allendorf staunt in einem seiner Lieder über diese Annäherung Gottes gegenüber den Menschen: „Gottheit und Menschheit vereinen sich beide, Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah“ (Johann L. K. Allendorf)

Die Partner

Der Ort

Der Koalitionsvertrag zwischen den großen Parteien wurde von Angela Merkel, Horst Seehofer und Sigmar Gabriel im Paul-Löbe-Haus, dem Bundestagsbau, direkt neben dem Kanzleramt unterzeichnet.

Die Bethlehemkoalition wird nicht in einem prächtigen Regierungsgebäude, sondern in einem armseligen Stall geschlossen. Die himmlischen Gesandten laden zum Ort des Geschehens ein und kündigen den Hirten an: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids“ (Lk. 2,11). „Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen“ (Lk. 2,16).

Der Gottessohn hat den Himmel verlassen und wird Menschensohn. Der Unerreichbare wird erreichbar. Der Ferne kommt uns ganz nah. Der Höchste kommt uns auf Augenhöhe. Das Kind in der Krippe ist die lebendige Koalitionsurkunde zwischen Gottheit und Menschheit.

Er wird Heiland genannt, Ganzmacher. Er kann wieder ganz machen, was zerbrochen ist. Er ist dazu gekommen, die zerstörte Verbindung zwischen Gott und Mensch, aber auch die Verbindung der Menschen untereinander wieder herzustellen.

Der Gottessohn wird in einem Stall geboren. Er kommt in das Hirtenmilieu hinein. In Ställen kannten sie sich aus. Wo es nach Heu, Stroh und Mist roch, da waren sie zu Hause. Das war ihre Welt, ihr Leben, ihr Alltag.Jesus Christus kommt auch in Ihre Lebensverhältnisse hinein. Ihr Leben und Ihre Welt, das ist der Ort, wo er zur Welt kommen will.

In der Weihnachtsausgabe der Zeitung Chrismon wurde diese Tatsache einmal so verdeutlicht, dass man eine Holzkrippe symbolisch in das Lebensumfeld ganz unterschiedlicher Menschen hineinstellte. Die Einzelnen wurden dann befragt, was Weihnachten für sie bedeutet. Die Krippe war zum Beispiel auf neben der Frauenärztin auf der Geburtenstation zu sehen oder bei einem Bauern im Stall. Sie stand aber auch bei einem Fernsehjournalist im Studio oder im Forschungszentrum Karlsruhe neben einem Astroteilchenphysiker. Sie war im Büro eines Beauftragten für Asylanten ebenso zu finden, wie an der Frankfurter Börse oder auf dem Bahnhof bei einer Obdachlosen.

Meine Lebensverhältnisse sind der Ort wo die Koalition zwischen Christus und mir zustande kommt. Er scheut meinen Stallgeruch nicht und wird sogar mit meinem Mief und Mist fertig.

Vielleicht sind einige unter uns, die Weihnachten ohne Weihnachtsbaum verbringen, ganz für sich allein. Die sollen herhören: Jesus verbindet sich mit Ihnen in ihrer Einsamkeit und ist Ihnen nahe.

Andere werden Weihnachten ohne Weihnachtsfreude feiern. Die Trauer ist noch zu stark. Die sollen herhören: Jesus verbindet sich mit Ihnen in ihrer Traurigkeit und tröstet sie.

Es gibt auch Menschen unter uns, für die es Weihnachten ohne Weihnachtsfrieden wird. Schwelende Konflikte sind wieder aufgebrochen. Die Last der Schuld drückt nieder. Die sollen herhören: Jesus verbindet sich mit Ihnen. Er vergibt und schenkt Vergebungsbereitschaft.

Ich kann mir gut vorstellen, dass auch einige unter uns sich, die Weihnachten ohne Weihnachtsgeld erleben. Ihre finanzielle Situation ist angespannt und ihre Arbeitsplatz nicht mehr sicher. Die sollen herhören: Jesus verbindet sich mit Ihnen. Er wird für Sie sorgen.

In Jesus Christus haben wir einen starken Koalitionspartner. Er ist die Hand Gottes, die in das Leben der Menschen eingreift und sie zu Ergriffenen macht. Er sagt: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit“ (Jes. 41,10).

Das steht fest, was Paul Gerhardt in einem seiner Weihnachtslieder sagt: „Gott wird Mensch, dir Mensch zugute, Gottes Kind, das verbindt sich mit unserm Blute“

Die Partner
Der Ort

Der Vertrag

Lange haben die Koalitionäre an dem Werk gefeilt. Viele Voraussetzungen mussten erfüllt und manche Kompromisse mussten ausgehandelt werden. Bezeichnend ist die Äußerung von Sigmar Gabriel: „Zwei Leute, die immer einer Meinung sind, die finden sie bei uns nicht.“ Der Vertrag der "Zweck-Ehe" von Union und SPD umfasst 185 Seiten. Endlich kam es zur Abstimmung über den Koalitionsvertrag und der verbindlichen Unterschriften unter die Vereinbarung.

Ganz anders läuft es bei der Bethlehemkoalition. Der Koalitionsvertrag, der in Bethlehem vorgelegt wurde besteht nicht aus 185 Seiten, sondern aus einem einzigen Satz, den Gesandten des Himmels den Hirten von Bethlehem vorsprechen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“
(Lk. 2,14)

Ein weiterer Unterschied: Dieser Vertrag ist ganz einseitig. Der große Partner Gott übernimmt selbst alle Risiken und Verpflichtungen. Der Sohn Gottes stirbt für die Schuld der Menschen am Kreuz. Er bezahlt alle aus der Schuld der Menschen entstehenden Forderungen mit seinem Leben. Krippe und Kreuz gehören zusammen.

Der Koalitionspartner Mensch muss keine Vorleistung bringen und keinerlei Bedingungen eingehen. Wir sind „Menschen seines Wohlgefallens“, Menschen seiner Gnade. Jeder kann sich diesem starken Bündnis anschließen. Das einzige was er machen muss: Ja sagen und unterschreiben.

„Ehre sei Gott in der Höhe“ heißt die eine Seite aus dem Koalitionsvertrag der Bethlehemkoalition. Die Hirten von Bethlehem gehören zu den ersten, die den Koalitionsvertrag des Heilands der Welt unterschreiben. Sie knien vor dem Gottessohn in der Krippe nieder und beten ihn an. So geben sie Gott die Ehre und bringen zum Ausdruck: Nicht mehr wir, er soll der Herr sein. Ihm soll unser Leben gehören.

Es ist so einfach. Das Gebet zu Christus ist meine Unterschrift unter den Koalitionsvertrag. Ich bete: „Ich gebe Gott in der Höhe die Ehre. Herr Jesus, Sohn Gottes. Dir gehört mein Leben. Komm zu mir, mach Frieden mit mir. Geh mit mir die Große Koalition ein, jetzt und für immer.“

„Frieden auf Erden“ heißt die andere Seite des Koalitionsvertrags. Hier werde die Folgen beschrieben: „Wenn wir Gott in der Höhe ehren, kehrt der Friede auf Erden ein.“ Die Auswirkungen der Großen Koalition werden sofort sichtbar und spürbar. Tiefer Friede kehrt bei uns ein. Ein Frieden mit Gott, ein Frieden des Herzens. Und damit auch die Bereitschaft, Frieden zu schließen mit meinen Verhältnissen, in denen ich lebe und mit den Menschen, mit denen ich zusammen komme.

Wer sich an Jesus Christus hält, ist gehalten. Er geht eine große Koalition ein, steht mit Gott im Bunde und ist damit immer auf der Seite des Stärkeren. Einer, der das erlebt hat, hängt sich mit seinem ganzen Leben an ihn und seine starke Hand. Er betet: „Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich“ (Ps. 63,9)

Was bei denen geschieht, die den Koalitionsvertrag unterschrieben haben, beschreibt Christian Fürchtegott Gellert so: „Du unser Heil und höchstes Gut, vereinest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir“.

Wir hörten von den beiden Partnern der Großen Koalition. Sie heißen Gott und Mensch. Bethlehem ist der Ort, an dem sie geschlossen wurde. Der Inhalt des Koalitionsvertrags heißt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“.

Ich wünsche Ihnen ein Leben im starken Bündnis mit dem Koalitionspartner Jesus Christus. Amen
 

  Author: Wanner, Michael eingegeben am: 03.01.2014 10:45 Uhr
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