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    Prediger: Pfr. M. Wanner
 

  Auslegung zu Psalm 73,28 vom 01.01.2014
  Psalm 73:
Gott ist dennoch Israels Trost
für alle, die reinen Herzens sind.
2 Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen;
mein Tritt wäre beinahe geglitten.
3 Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen,
als ich sah, dass es den Gottlosen so gut ging.
4 Denn für sie gibt es keine Qualen,
gesund und feist ist ihr Leib.
5 Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute
und werden nicht wie andere Menschen geplagt.
6 Darum prangen sie in Hoffart
und hüllen sich in Frevel.
7 Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst,
sie tun, was ihnen einfällt.
8 Sie achten alles für nichts und reden böse,
sie reden und lästern hoch her.
9 Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein;
was sie sagen, das soll gelten auf Erden.
10 Darum fällt ihnen der Pöbel zu
und läuft ihnen zu in Haufen wie Wasser.
11 Sie sprechen: Wie sollte Gott es wissen?
Wie sollte der Höchste etwas merken?
12 Siehe, das sind die Gottlosen;
die sind glücklich in der Welt und werden reich.
13 Soll es denn umsonst sein, dass ich mein Herz rein hielt
und meine Hände in Unschuld wasche?
14 Ich bin doch täglich geplagt,
und meine Züchtigung ist alle Morgen da.
15 Hätte ich gedacht: Ich will reden wie sie,
siehe, dann hätte ich das Geschlecht deiner Kinder verleugnet.
16 So sann ich nach, ob ich's begreifen könnte,
aber es war mir zu schwer,
17 bis ich ging in das Heiligtum Gottes
und merkte auf ihr Ende.
18 Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund
und stürzest sie zu Boden.
19 Wie werden sie so plötzlich zunichte!
Sie gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken.
20 Wie ein Traum verschmäht wird, wenn man erwacht,
so verschmähst du, Herr, ihr Bild, wenn du dich erhebst.
21 Als es mir wehe tat im Herzen
und mich stach in meinen Nieren,
22 da war ich ein Narr und wusste nichts,
ich war wie ein Tier vor dir.
23 Dennoch bleibe ich stets an dir;
denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
24 du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
25 Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
26 Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.
27 Denn siehe, die von dir weichen, werden umkommen;
du bringst um alle, die dir die Treue brechen.
28 Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte / und meine Zuversicht setze auf Gott, den HERRN,
dass ich verkündige all dein Tun.
 

  Gott nahe zu sein ist mein Glück (Neujahr)
  Predigt zur Jahreslosung am 01.01.014:
„Gott nahe zu sein, ist mein Glück“ (Ps. 73,28)
Dazu Bildmeditation, Bild von E. Münch

Harmonische Worte und Bilder

Leuchtenden Farben ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wir empfinden sie als schön und wohltuend. Die Perspektive des Glücks wirkt auf uns wie Helligkeit; Nähe und Geborgenheit. Sie erscheint uns wie strahlende Farben.

„Gott nahe zu sein ist mein Glück!“ – für diese vertrauensvolle Aussage mögen wir den Beter des Psalms bewundern. Mit welch überraschender Selbstverständlichkeit kann hier ein Mensch von seinem Gott sprechen! Mit welcher Gewissheit weiß er sein wahres Glück zu bestimmen!

Sein Leben ist offensichtlich von persönlicher Nähe und tragender Gemeinschaft, von Vertrauen und Beziehung bestimmt. Er weiß um die Nähe Gottes. Er spürt diese Nähe Gottes. Er erfährt diese Nähe Gottes. Welche Helligkeit! Welche Farben! Welche Harmonie!

Auf den zweiten Blick

Dabei übersehen wir allzu leicht, dass manche Bilder wie Worte auf den zweiten Blick die vermutete Leichtigkeit gar nicht voraussetzen. Betrachten wir sie im Zusammenhang und treten wir einen Schritt zurück, dann erreicht uns dahinter eine andere Botschaft.

Wir begreifen, dass wir es in Wahrheit mit einer neu gewonnenen Zuversicht inmitten von Verunsicherungen und Enttäuschungen zu tun haben, mit einer neuen Ursprünglichkeit jenseits der Erschütterung.

Da ist dunkles Blau wie Wasserwellen, da sind Kreuze, Pfeile, weiß und auch blutrot. Da sind Linien die kreuzen, die von höherer Hand alles durchstreichen, was vorher gegolten hat.

Mitte und Orientierung werden gerade erst gefunden, und das Licht behauptet sich im Aufscheinen gegen Dunkelheit und Schatten.

Jetzt erkennen wir in der zuversichtlichen Losung nicht das unkritische Bekenntnis eines Getrosten, sondern die wiedergefundene Gewissheit eines Getrösteten.

„Ich wäre fast gestrauchelt ...“

„Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen;
mein Tritt wäre beinahe geglitten. Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen, als ich sah, dass es den Gottlosen so gut ging.“

Am Anfang von Psalm 73 steht nicht die Harmonie des Glücks, sondern die verstörenden Erfahrungen mit einem unberechenbaren Schicksal und einer ungerecht erscheinenden Wirklichkeit.

Was an dem Guten zweifeln lässt, ist nicht nur die Einsicht in die eigene Unzulänglichkeit und das eigene Versagen. Mehr noch verunsichert es, wenn gerade das Bemühen um Wahrheit Widerspruch hervorruft und das Streben nach Gerechtigkeit und Treue nicht belohnt wird, sondern Nachteile bringt.

Wo ist das Wirken Gottes und wo die Gerechtigkeit der Welt, wenn nicht die, die nach Gott fragen, glücklich erscheinen, sondern die „Gott-losen“?

Worin liegt der Sinn eines gemeinschaftsbezogenen Verhaltens, wenn nicht das Bemühen um Aufrichtigkeit am Ende bestätigt wird und „reich“ macht, sondern Rücksichtslosigkeit und Gewalt?

Hier spricht kein Mensch mit seinem Gott, dem es rundum gut geht. Im Gegenteil, Zweifel schütteln ihn kräftig durch.

Ist nicht alles umsonst? Lohnt sich die Sache mit dem Glauben? Wozu mühe ich mich ab? Kann dieser Gott, dem ich mein Leben anvertraut habe, gut genannt werden. In diesem Psalm spiegelt sich eine existenzielle Frage seines Lebens und Glaubens wider

Wenn sich der Beter die Menschen anschaut, die ohne Gott leben, scheint es ihnen nicht nur gut, sondern deutlich besser zu gehen, als ihm selbst. Sich nach Gott zu richten, bringt ihm weder Glück noch Reichtum, Gesundheit oder Gelassenheit. Diese Beobachtung stürzt ihn in eine schwere Krise.

Das ist eine große Anfechtung: Den Gottlosen und den Großtuern geht es so gut: Keine Qualen, fetter Leib, keine Mühsal, keine Plage durch andere Menschen. Sie prangen in Hoffart, Frevel, brüsten wie ein fetter Wanst. Sie tun, was ihnen einfällt. Sie achten alles für nichts, reden böse und lästern. Sie sagen sich: „Wie sollte Gott es wissen, wie sollte er etwas merken?“

Kennen Sie solche Erfahrungen? Ist vielleicht gerade das zurückliegende Jahr von solchen Erfahrungen gekennzeichnet? „Ich hielt mich an Gott, ich vertraute ihm. Und jetzt lief es so. Ich lebte nach seinen Geboten. Aber was hatte ich davon. Ich habe nichts davon gesehen, dass er es gut mit mir meint. Wo war Gott? War er dabei? War er mir überhaupt nahe?

Ich habe meine Mitte in Dir

Wie wird alles anders? Wie kommt es zur Wende? Wie kommt der Beter aus dem Strudel des Zweifels und der negativen Gedanken heraus?

Der Beter geht in den Tempel. Er sucht Gott im Gebet und im Hören auf sein Wort: „So sann ich nach, ob ich's begreifen könnte, aber es war mir zu schwer, bis ich ging in das Heiligtum Gottes und merkte auf ihr Ende.“

Die Ewigkeit leuchtet hinein in sein Leben. Er sieht wieder neu, auf was es wirklich ankommt. Sein Leben wird wieder neu ausgerichtet. Wie im Fadenkreuz eines Fernrohres sieht er wieder das Ziel, auf das es zugeht. Man darf die Dinge nicht aus der Situation heraus betrachten. Man muss alles vom Ende her betrachten.

Und dann sieht er was am Ende bleiben wird und was keinen Bestand hat.

Die, die Gott nicht kennen, haben keine Grundlage für ihr Leben. Sie stehen auf morastigem Gelände und können jederzeit untergehen. Wenn sie zu Boden stürzen. Wer ist dann da, der ihnen wieder aufhilft. Sie können mit ihrem Leben nicht vor Gott bestehen.

So wie ein Traum verworfen wird, wenn man erwacht, so wird ihre Lebensrealität von Gott verschmäht: „Nichts echtes, nichts, was Bedeutung hätte! Ein Leben ohne Wert, ein Leben wie ein schlechter Traum.“

Ich lebe doch in den Tag hinein wie ein Tier, wenn ich das alles vergesse, wenn ich das alles nicht bedenke. Ich bin doch ein Narr, wenn ich die Ewigkeit nicht in mein zeitliches Leben mit einbeziehe: „Auf einmal war ich ein Narr und wusste nichts, ich war wie ein Tier vor dir.“

Aber der Psalmbeter erkennt noch mehr. Er bekommt nicht nur die Einsicht, dass sich Geschick und wahrer Reichtum erst vom Ende eines Lebens her beurteilen lassen. Ihn trägt noch mehr als die Hoffnung, dass es sich irgendwann alles wenden wird und am Schluss eine gerechte Wiedergutmachung auf den wartet, der reinen Herzens sein will.

Die eigentliche Veränderung erfährt der Verunsicherte durch die Erkenntnis der Nähe Gottes. Die wesentliche Wende liegt nicht erst in der Verbesserung seiner äußeren Umstände, sondern in der Rückbesinnung auf die ihn wirklich tragende Beziehung.

Er will nicht länger um des Gewinns willen an Gott glauben, sondern erkennt in Gott selbst seinen eigentlichen Gewinn.
Er kann jetzt in Gott selbst sein wahres Glück erkennen und in der persönlichen Beziehung zu ihm seinen wirklichen
Trost. Er findet seine Mitte in Gott!

Eberhard Münch hat die Erfahrung der Nähe Gottes im Kreuz focusiert. Im Zentrum des Lichts erkennen wir die Liebe, die selbstlos den Weg bis zum Kreuzestod ging und unsere Ungerechtigkeit ertrug. Weil Jesus dort am Kreuz alle Schuld auf sich nahm, darf sie uns nicht mehr belasten. Weil Jesus als Konsequenz dafür von Gott verlassen werde und schrie: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ werden wir nie wieder von Gott verlassen.

Und mit dem Glanz dieses Lichts wird auch uns die Treue Gottes zugesagt, die uns – wie Jesus in der Auferstehung –endgültig in seine Herrlichkeit aufnehmen will.

An diesen Gott und Vater Jesu Christi zu glauben heißt nicht unbedingt, in jeder Hinsicht glücklich zu sein, sondern in Gottes Nähe zu finden, was einem noch wichtiger wird als das eigene Glück.

Im Zentrum des Lichts

Dort im Zentrum des Lichts, in der Nähe Gottes ist Geborgenheit. Das hat auch schon Mose erlebt. Gott stellte ihn in einen Raum der Geborgenheit: „Der HERR sprach zu ihm: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen“ (2. Mose 33,21).

Drum herum, ein Wirbel, Wind, Sturm, Wellen, Wassermassen, Feuer, Eckiges, Kantiges, Durchkreuztes, Tränen, Blut… „Im Zentrum des Orkans kann ein Baby schlafen.“

Egal was kommt, ich sage: „Dennoch!“ „Dennoch bleibe ich stets bei dir, du hältst mich an meiner rechten Hand. Nach deinem Ratschluss leitest du mich, und hernach nimmst du mich auf in Herrlichkeit… Mögen mein Leib und mein Herz vergehen, der Fels meines Herzens und mein Teil ist Gott auf ewig“ (Psalm 73,23–26).

Wunderbare Erfahrungen lassen sich aus der Nähe Gottes heraus machen:
Du hältst mich bei meiner rechten Hand
Du leitest mich nach deinem Rat.
Du nimmst mich am Ende mit Ehren an.
Du bist meines Herzen Trost und mein Teil.

Wenn ich nur dich habe…

Das Bild fällt aus dem Rahmen. Es hat die Tendenz, sich auszubreiten.

„Gott nahe zu sein, ist mein Glück“ – Zum Glück!

Das muss gesagt werden, das muss weitergesagt werden: …dass ich verkündige all dein Tun.“ Amen
 

  Author: Wanner, Michael eingegeben am: 04.01.2014 09:21 Uhr
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