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    Prediger: Pfr. M. Wanner
 

  Auslegung zu 1. Petr. 5,1-9 vom 19.01.2014
  1. Petr. 5,1-9:
Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll:
2 Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund;
3 nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde.
4 So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.
5 Desgleichen ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter.
Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
6 So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.
7 Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.
8 Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.
9 Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen.
 

  "Weidet die Herde Gottes" - Einsetzung des neuen Kirchengemeinderats
  Liebe Gemeinde,

Bei einer Wanderung auf der Schwäbischen Alb konnten wir einmal einen Hirten mit seiner Herde genauer beobachtet. Der Hirte war intensiv mit der Pflege seiner Tiere beschäftigt. Zwei Hunde sorgten währenddessen konstant dafür, dass die ganze Herde zusammen blieb. Der Hirte selbst nahm sich jedes einzelne Tier vor. Bei manchen Tieren reinigte er die Klauen. Bei anderen säuberte er das Fell. Einzelne Tiere wurden zur weiteren Pflege aussortiert und kamen in ein gesondertes Gatter.

Bei der Beobachtung des Schäfers von der Alb, wurde mir deutlich, welche Liebe, Sorgfalt und Wertschätzung ein Hirte seinen Schafen gegenüber aufbringt.

Der gesamte biblische Sprachgebrauch vom Hirten und seinen Schafen ist ebenfalls bestimmt durch die Kostbarkeit der Schafe. Jedes einzelne Schaf ist wertvoll. Es wird gepflegt und gesucht, wenn es sich verirrte oder verloren ging.

Petrus greift genau dieses Bild vom Hirten und der intensiven Pflege seiner Schafe auf. Er spricht in diesem Zusammenhang von den Leitungsämtern in der Gemeinde und dem damit verbundenen Auftrag: „Weidet die Herde Gottes!“

Ganz sicher denkt er dabei an das, was er selbst erlebt hat. Er denkt an eine ganz bestimmte Hirtenszene bei der er selbst beteiligt war. Es war kurz nach der Auferstehung von Jesus. Damals kam es bei Petrus zu einer entscheidenden Begegnung mit dem Auferstandenen. Jesus nimmt Petrus zur Seite und geht mit ihm am Ufer des Sees Genezareth entlang. Während diesem Vier-Augen-Gespräch stellt er ihm dreimal die eindringliche Frage: „Petrus, hast du mich lieb?“ Petrus musste damals sofort daran denken, dass er ja seinen Herrn dreimal verleugnet hatte. Auf ihn angesprochen, betonte er energisch: „Ich kenne den da überhaupt nicht!“ Als Jesus ihn nun nach seiner Liebe zu ihm fragt, weiß Petrus auf einmal: „Jesus liebt mich immer noch. Er hat mir vergeben. Er fängt mit mir wieder neu an“. Und er antwortet: „Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe“ (Joh. 21,17). Und dann wird er von Jesus wieder ganz neu beauftragt. Jesus sagt zu Petrus: „Weide meine Schafe!“

Unglaublich! Jesus hatte ihm, dem Versager die Leitung seiner Gemeinde anvertraut. Er durfte ein Hirte der Herde Gottes sein.

„Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist.“ Jesus, der Oberhirte beauftragt Unterhirten. Und er macht am Beispiel des Petrus exemplarisch deutlich: Meine Unterhirten, die ich beauftrage, werden von mir geliebt. Sie müssen nicht perfekt sein. Sie dürfen versagen. Sie dürfen wieder neu anfangen. Sie dürfen die Herde Gottes weiden.

In seiner Rede über die Leitungsämter in der Gemeinde beschreibt Petrus nun, was alles mit dem Leitungsamt eines Unterhirten zusammenhängt. Er beschreibt das Organigramm der Herde Gottes, entwickelt ein Leitbild für den Hirtendienst und stellt den Unterhirten der Herde Gottes am Schluss noch eine Gehaltsmitteilung für das Hirtenamt zu.

Das Organigramm der Herde Gottes

In jedem Betrieb gibt es ein Organigramm. Das ist eine graphische Darstellung, die zeigt, wie die Leitungsaufgaben und Verantwortungsbereiche des Unternehmens aufgeteilt sind.

Auch in der Schäferei der Gemeinde gibt es ein Organigramm, das die Leitungsaufgaben und die verschiedenen Verantwortungsbereiche verdeutlicht. Ganz oben steht der Erzhirte, wie Paulus Jesus Christus nennt. Er ist der gute Hirte, der Oberhirte, an dem sich alle zu orientieren haben. Es soll niemand geben in der Gemeinde, der nicht bereit ist, auf die Stimme des guten Hirten zu hören und zu achten. Petrus zeigt, was alle in der Gemeinde verbindet: „So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes.“

Unter dem Erzhirten stehen die Unterhirten. Jesus Christus will Leitung. Er setzt in der Gemeinde Leiter und Leiterinnen ein. Jeder Leiter hat Verantwortung für einen ganz bestimmten Bereich der Gemeinde. Die Gesamtleitung der Gemeinde wird dem Kirchengemeinderat zusammen mit dem Pfarrer übertragen.

Unter dem Kirchengemeinderat und dem Pfarrer gibt es weitere Unterhirten, von denen jeder seinen eigenen Verantwortungsbereich hat. Im Grunde hat jeder von uns in einem kleineren oder größeren Bereich ein Hirtenamt. Er hat Menschen, für die er verantwortlich ist in der Gemeinde oder auch in der eigenen Familie.

Unter dem Erzhirten und den zahlreichen Unterhirten stehen dann schließlich die Schafe, die sich vom Erzhirten und den Unterhirten leiten lassen.

Das Organigramm der Herde Gottes wirkt sehr entlastend. Alle Unterhirten sind dem Erzhirten gegenüber verantwortlich. Sie wissen aber auch, dass sie nur in Teilbereichen Verantwortung tragen und letztlich der Erzhirte Jesus Christus die letzte Verantwortung trägt. Sie müssen nicht alles auf ihre eigenen Schultern laden, sondern dürfen auch immer und überall direkt an Jesus, den guten Hirten der Gemeinden verweisen.

Und auch die Schafe der Gemeinde werden entlastet. Sie dürfen wissen: Es gibt in unserer Gemeindeleiter, die Verantwortung tragen und sich selbst vor dem Erzhirten verantworten müssen. Ich muss daher nicht alles beurteilen. Ich muss nicht alles besser wissen. Ich darf andere in ihrer Leitungsverantwortung anerkennen und Ernst nehmen.

Für die ganze Gemeinde, für alle Unterhirten und für alle Schafe gilt daher: „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“

Das Organigramm der Herde Gottes

Das Leitbild eines Unterhirten

In manchen Betrieben füllt das Leitbild für eine Berufssparte manchmal einen ganzen Ordner. Das Leitbild eines Unterhirten heißt ganz einfach nur: „Weidet die Herde Gottes.“

Es wird an dieser Stelle nicht der Bauer als Bild herangezogen, der das Futter in den Trog wirft, sondern der Hirte, der auf die Weide führt. Sein Ziel ist weder der Überdruss des Schlaraffenlands, noch die Enge des Stalls, sondern der Futterplatz. Dort sollen die Schafe selbst das frische Grün als die zum Leben unerlässliche Nahrung finden ist. Keinem Schaf wird etwas vorgekaut. Grasen müssen die Schafe schon selber.

Der Kernsatz des Leitbildes eines Unterhirten: „Weidet die Herde Gottes“ wird nun durch drei weitere Aussagen ergänzt.

Zum Leitbild des Unterhirten gehört zuerst:
Weidet die Herde mit Aufmerksamkeit.

Da steht ein Hirte. Er hat sich auf seinen langen Hirtenstab gestützt. Es sieht so aus, als ob er träumen würde. „Das muss ein sehr angenehmer Beruf sein“, denke ich. Aber in Wirklichkeit ist er voller Konzentration. Er ist voll bei der Sache. Er beobachtet seine Schafe mit Aufmerksamkeit. Es ist ihm wichtig, den Überblick zu behalten.

Petrus sagt den Unterhirten: „Weidet die Herde, die euch anbefohlen ist und achtet auf sie“, passt auf sie auf, behaltet den Überblick über sie. Und wenn der Hirte auf seine Schafe achtet, dann reagiert er auch auf alles, was er beobachtet.

Ein guter Unterhirte geht seinen Schafen nach. Er kümmert sich um das einzelne Schaf. Das macht Jesus ja unüberbietbar deutlich in dem Gleichnis von dem verlorenen Schaf. Der Hirte lässt die 99 zurück und geht dem einen nach, das verloren ging und sucht es so lange, bis er es gefunden hat.

Das ist auch die Aufgabe des neuen Kirchengemeinderats, einen Blick zu haben für die verlorenen Schafe de Erzhirtens. Unter ihnen sind auch solche, die einmal zur Herde der Gemeinde gehört haben, aber sich dann irgendwann einmal verirrt haben im Gestrüpp ihrer eigenen Wege.

Jesus, der Oberhirte sah nicht an den Menschen vorbei oder über sie hinweg. Er schenkte ihnen seine ganze Aufmerksamkeit. Er sah, was ihnen fehlte und wo es ihnen fehlte. Was er sah, erbarmte ihn zutiefst und motivierte ihn zum Handeln. Wir hören: „Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt. 9,36).

Es ist so wichtig, dass wir in unserer Gemeinde viele Unterhirten haben, die die Herde mit solcher Aufmerksamkeit leiten.

Ich habe einen Religionslehrer vor Augen, der mich in der Oberstufe meiner Gymnasialzeit begleitete. Er hat mit mir nach der Stunde diskutiert. Er hat sich für mich interessiert. Er hat mich in der Leitung des Schülerbibelkreises unterstützt. Dieser wunderbare Unterhirte hat mich zum Theologiestudium ermutigt und hat mich immer wieder zu Gesprächen zu sich nach Hause eingeladen.

Weidet die Herde mit Aufmerksamkeit

Die zweite Aussage aus dem Leitbild eines Unterhirten heißt: Weidet die Herde mit Hingabe

Petrus sagt: „Weidet die Herde Gottes nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt, nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund.“

Sehen wir uns wieder den Oberhirten an. Er sagt: „Ich lasse mein Leben für die Schafe“ (Joh. 10,15). Sein Hirtenleben war totale Hingabe an seine Schafe. Voller Leidenschaft und bis auf den letzten Blutstropfen setzte er sich für die Menschen ein.

Ich las einmal einen Zeitungsbericht über einen Hirten, der mit seinen Schafen am Mainufer unterwegs war. Plötzlich sah er, dass eines seiner Schafe in den Fluss fiel und am Ertrinken war. Kurzentschlossen sprang er selbst in den Fluss und versuchte das Schaf zu retten. Das gelang ihm auch. Er selbst aber wurde dabei durch die Strömung weggerissen und kam ums Leben. Er hatte sein Leben für seine Schafe gelassen.

Habe ich als Unterhirte auch diese Leidenschaft, diesen Schmerz, dass andere innerlich kaputt gehen und völlig orientierungslos sind? Oder gehe ich routinemäßig und unberührt von der geistlichen Not anderer meinen Aufgaben nach? Oder lasse ich mich vielleicht gefangen nehmen von Organisation und Management und verliere darüber den Kontakt und die Beziehung zu den Menschen?

Weidet die Herde mit Aufmerksamkeit
Weidet die Herde mit Hingabe

Die dritte Aussage aus dem Leitbild eines Unterhirten heißt:
Weidet die Herde mit Vorbildfunktion

Ich habe einmal einen Hirten beobachtet, wie er in einem gewissen Abstand zu den Schafen entschlossen weiterging. Die Schafe folgten ihm. Wenn er stehen blieb, blieben sie stehen. Wenn er ging, machten sie sich auch auf den Weg. Sie orientierten sich an ihm und machten das, was er tat. Die Vorbildfunktion des Hirten äußerte sich darin, dass er vorangeht und führt.

Wenn eine Weidefläche abgegrast ist, muss ein neuer Futterplatz gefunden werden. Ein guter Unterhirte schaut darauf, dass seine Schafe die geistliche Nahrung finden, die sie brauchen. Und er verfolgt mit seinen Schafen auch ein Ziel. Er will sie zum ewigen Leben führen. Jesus sagt von sich: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir“ (Joh. 10,27).

Achte ich als Unterhirte auch auf das, was meine Schafe brauchen und bin ich bereit zur Hingabe und dazu, sie weiter zu führen und ihnen voran zu gehen? Petrus sagt: „Weidet die Herde nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde.“

Interessant ist an dieser Stelle der Einsatz der Hunde. Ich habe beobachtet, dass der Schäfer seine Hunde nur dazu besitzt, um seine Herde zusammen zu halten. Nicht dazu, um sie in eine bestimmte Richtung zu treiben.

Hier genügen die Stimme des guten Hirten und sein Vorbild. Die Schafe haben Erfahrungen gemacht. Sie haben erfahren, dass der Hirte sie gut versorgt, dass er sie auf neue Weideplätze bringt und dass man ihm vertrauen kann.

Das Organigramm der Herde Gottes
Das Leitbild eines Unterhirten
• Weidet die Herde mit Aufmerksamkeit
• Weidet die Herde mit Hingabe
• Weidet die Herde mit Vorbildfunktion


Die Gehaltsmitteilung für das Hirtenamt

Petrus nennt sich selbst Teilhaber der Herrlichkeit. Er hat Gewinnanteile an der Schäferei des Oberhirten. Diese Gewinnanteile muss er sich nicht selbst verschaffen. Er muss seinen Schafen nicht an die Wolle gehen. Er braucht auch nicht die ständige Anerkennung seiner Herde. Jeder Unterhirte im Unternehmen des großen Hirten der Schafe wird vom Oberhirten direkt entlohnt.

Petrus spricht hier von der unvergänglichen Krone der Herrlichkeit. Am Ende gibt es für die Unterhirten nach dem langen Schäferlauf durch diese Leben einen Schäferpreis. Sie erhalten vom Oberhirten selbst ihren Lohn und ihre Anerkennung. Petrus schreibt: „So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.“

Ich habe mir überlegt: Worin besteht denn diese Krone der Herrlichkeit? Besteht sie darin, dass wir ein goldenes Diadem aufgesetzt bekommen und dass Millionen uns zujubeln. Sicherlich nicht. Paulus erklärt die unvergängliche Krone der Herrlichkeit. Er sagt von den Menschen, die durch ihn zum Glauben an Jesus gefunden haben: „Ihr, meine Lieben seid mein Ruhm“ (1. Kor. 15,31).

Oder denken wir an die große Freude des Hirten, wenn er das verlorene Schaf gefunden hat und es nach Hause trägt. Jesus sagt: „So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut“ (Lk. 15,7). Diese Freude ist die Krone der Herrlichkeit. Wir sehen, dass durch uns Menschen wie verlorene Schafe wieder zum guten Hirten gefunden haben.

Und diese Krone leuchtet auch auf in dem, was Jesus voller Dankbarkeit über seine Jünger zu seinem Vater sagt:
„Solange ich bei ihnen war, erhielt ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, und ich habe sie bewahrt, und keiner von ihnen ist verloren außer dem Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde“ (Joh. 17,12).

Die Krone der Herrlichkeit ist die Dankbarkeit, vor dem Thron Gottes Menschen zu sehen, die dort angekommen sind, die durchgehalten haben, die im Glauben gewachsen sind und die so viel gelernt haben.

Weidet die Herde Gottes! Wir hörten von der Bedeutung der Leitungsämter in der Gemeinde. Vom Organigramm der Herde Gottes, vom Leitbild eines Unterhirten und der Gehaltsmitteilung für das Hirtenamt

Wir haben einen Oberhirten, dem wir dienen. Er setzt seine Unterhirten ein und gibt ihnen verschiedene Aufgaben. Es ist ein großes Vorrecht und auch eine große Freude, ihm, dem großen Oberhirten zu dienen. Amen
 

  Author: Wanner, Michael eingegeben am: 24.01.2014 06:49 Uhr
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